Gleich beide Auszeichnungen des erstmals in Jena ausgetragenen Wissenschaftswettbewerbs »FALLING WALLS Lab« gingen an Dr. Prerana Chaudhari, Postdoktorandin und Projektleiterin am Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut. Mit ihrem Pitch überzeugte sie sowohl die Fachjury als auch das Publikum. Als Gewinnerin des Jury-Preises vertritt sie Jena nun beim internationalen FALLING WALLS Global Finale in Berlin.
In ihrem Vortrag „Breaking the Wall of How We Treat Broken Walls of Our Body“ nahm die gebürtige Inderin das Motto des Wettbewerbs wörtlich: Ihr Forschungsprojekt SEAL beschäftigt sich mit den natürlichen Schutzbarrieren unseres Körpers – und mit der Frage, wie sich diese reparieren lassen, wenn sie geschädigt sind. Ein bekanntes Beispiel für eine solche gestörte Barrierefunktion ist der sogenannte „Leaky Gut“, bei dem die Darmbarriere durchlässiger wird.

Prof. Dr. Miriam Agler-Rosenbaum sprach im Namen der Jury: „Jede der elf Präsentationen hat uns mit innovativen Ideen, besonderen Perspektiven und diesem gewissen Funken beeindruckt. Entsprechend schwer ist uns die Entscheidung gefallen.“ Der Beitrag von Dr. Prerana Chaudhari habe die Jury jedoch in besonderer Weise überrascht: „Sie hat die Perspektive einmal komplett umgedreht und gefragt: Warum stehen diese Mauern eigentlich – was macht sie stabil und was instabil? Übertragen auf unsere körpereigenen Barrieren bedeutet das: Warum behandeln wir erst die Entzündung, wenn eine Barriere geschädigt ist, anstatt danach zu fragen, wie wir die Barriere selbst wiederherstellen können? Genau dieser Perspektivwechsel hat uns überzeugt.“
Solche natürlichen Barrieren spielen in verschiedenen Organen unseres Körpers eine wichtige Rolle. Werden sie durchlässig oder geschädigt, kann dies zu chronischen Entzündungen beitragen und steht mit einer Reihe von Stoffwechsel-, allergischen, neurodegenerativen und altersbedingten Erkrankungen in Verbindung. Bislang gibt es jedoch kein zugelassenes Medikament, das eine geschädigte Barriere direkt wiederherstellt. Bestehende Therapien setzen vor allem an den Folgen an, etwa an Entzündungen.
Genau hier setzt SEAL an: Chaudhari entwickelt neuartige Wirkstoffe, die geschädigte Barrieren direkt reparieren und ihre Schutzfunktion wiederherstellen sollen. Grundlage ist ein natürliches kleines Molekül, das aus der Forschung an gesunden Hundertjährigen hervorgegangen ist. Darauf aufbauend entwickelt SEAL einen neuen therapeutischen Ansatz, der nicht nur die Folgen einer geschädigten Barriere behandelt, sondern an der zugrunde liegenden Ursache ansetzt. Langfristig soll daraus eine Plattform entstehen, mit der sich die Barrierefunktion in verschiedenen Organen wiederherstellen lässt und die damit neue Behandlungsmöglichkeiten für unterschiedliche chronische Erkrankungen eröffnen könnte.
Dabei geht Chaudharis Vision über die Behandlung bereits entstandener Schäden hinaus. Wie sie es in ihrer Präsentation formulierte: „Not just for treating damage, but for maintaining resilience throughout life“ – also nicht nur Schäden behandeln, sondern die Widerstandsfähigkeit des Körpers ein Leben lang erhalten.


Jena schickt seine Gewinnerin zum Global Finale nach Berlin
Beim ersten FALLING WALLS Lab Jena am 10. September 2026 traten elf junge Forschende und Innovator:innen aus der Region in der Imaginata gegeneinander an. Die Herausforderung: In jeweils nur drei Minuten mussten sie eine interdisziplinäre Jury davon überzeugen, welche „Mauer“ ihre Forschung zum Einsturz bringen kann. Entscheidend waren dabei insbesondere der Durchbruch-Charakter der Ideen und ihr Potenzial, wissenschaftliche, technologische oder gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen.
Der Jury-Preis entscheidet zugleich über das Weiterkommen im internationalen Wettbewerb: Als Gewinnerin qualifiziert sich Chaudhari für das FALLING WALLS Global Finale in Berlin, bei dem die Siegerinnen und Sieger der regionalen FALLING WALLS Labs aus aller Welt aufeinandertreffen.
Eine Besonderheit der Jenaer Ausgabe ist der Publikumspreis. Neben der Fachjury konnte auch das Publikum seinen Favoriten des Abends wählen – und auch hier fiel die Wahl auf Chaudhari. Damit gelang ihr bei der Premiere des FALLING WALLS Lab Jena ein Doppelsieg: Sie überzeugte sowohl die Jury als auch das Publikum.
Mit dem Wettbewerb wurde Jena erstmals Teil des internationalen FALLING WALLS Lab-Netzwerks, das junge wissenschaftliche Talente und ihre „Breakthrough Ideas“ aus aller Welt zusammenbringt.

JENAINNOVATION und Graduierten-Akademie holten FALLING WALLS erstmals nach Jena
Gemeinsam veranstaltet wurde das erste FALLING WALLS Lab Jena von JENAINNOVATION und der Graduierten-Akademie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Beide setzen an unterschiedlichen Punkten wissenschaftlicher Karrierewege an und verbindet das Ziel, Forschenden Räume zu eröffnen, in denen sie ihre Ideen weiterentwickeln, sichtbar machen und deren Wirkungspotenzial ausloten können.
Ede Möser, Leiter von JENAINNOVATION, würdigte zunächst die elf Forschenden, die sich der besonderen Herausforderung des Abends gestellt hatten: Jahrelange Forschung, Ideen und wissenschaftlichen Ehrgeiz vor fast 200 Menschen in nur drei Minuten auf den Punkt zu bringen, sei bereits eine bemerkenswerte Leistung. Zugleich passe der Grundgedanke des FALLING WALLS Lab unmittelbar zur Arbeit der Transferinitiative: „Forschung fragt: Was wäre, wenn? Was könnte möglich sein? Was verstehen wir noch nicht und können wir es herausfinden? Innovation und Transfer stellen daran anschließend noch eine weitere Frage: Was könnte daraus entstehen?“
Dabei gehe es nicht darum, dass aus jedem Forschungsergebnis ein Produkt werden oder jede:r Forschende ein Unternehmen gründen müsse. Wissenschaftliche Freiheit und exzellente Grundlagenforschung seien das Fundament für wissenschaftliche Durchbrüche und grundlegend neue Erkenntnisse. „Aber manchmal kann Forschung ein zweites Leben entfalten, jenseits der Publikation, jenseits der Konferenz und jenseits des Labors. Und wenn dieses Potenzial vorhanden ist, sollte der Weg dorthin für Forschende nicht vom Zufall abhängen. Genau dafür gibt es JENAINNOVATION.“
Die Graduierten-Akademie der Friedrich-Schiller-Universität Jena begleitet als zentrale Einrichtung der Universität Promovierende und Postdocs in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn und beim Übergang in das Berufsleben. Ein wichtiger Baustein dabei ist die Fähigkeit, die eigene Forschung verständlich zu vermitteln. „Wissenschaftskommunikation ist eine Schlüsselkompetenz für erfolgreiche Forschende“, erklärte Judith Malsam für die Graduierten-Akademie. „Wer Wissenschaft betreibt, muss auch vermitteln können, woran man forscht, warum diese Forschung relevant ist und dafür sorgen, dass sie wahrgenommen wird.“ Das FALLING WALLS Lab bietet Forschenden frühen Karrierephasen eine Bühne, genau diese Fähigkeit zu erproben und ihre Forschung auch einem Publikum außerhalb des eigenen Fachgebiets verständlich zu präsentieren.

Die FALLING WALLS Foundation ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Berlin, die sich der Förderung der Natur- und Geisteswissenschaften verschrieben hat. Sie bietet eine internationale Plattform für führende Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Kunst und Gesellschaft. FALLING WALLS regt den Austausch über Forschung und Innovation an und vermittelt die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse einem breiten Publikum aus allen Bereichen der Gesellschaft.
JENAINNOVATION ist die übergreifende Initiative für Innovation und Wissenstransfer in Jena. Sie unterstützt Forschende und Teams dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Anwendungen und gesellschaftliche Wirkung zu überführen. Dazu werden Innovationsprozesse von der ersten Idee bis zur Umsetzung begleitet und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und weiteren gesellschaftlichen Partnern gestärkt. Ziel ist es, Jena als führende Innovationsregion zu profilieren. JENAINNOVATION wird getragen von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Ernst-Abbe-Hochschule Jena und dem Universitätsklinikum Jena und durch die Carl-Zeiss-Stiftung gefördert.
Die Graduierten-Akademie ist die zentrale Einrichtung der Friedrich-Schiller-Universität Jena für Promovierende und Postdocs. Sie unterstützt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in frühen Karrierephasen mit Beratung, Qualifizierung und Angeboten zur Karriereentwicklung und arbeitet an universitätsweiten Qualitätsstandards für die Promotions- und Postdoc-Phase. Zugleich ist sie die Dacheinrichtung der strukturierten Promotionsprogramme der Universität. Die Graduierten-Akademie wurde 2006 gegründet.
